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  Meine Seefahrt
 
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               April-Juni 1968 Mittelwache               


                                  
Wenn man mit 14,5 Jahren in ein Beruf geschickt wird, der mit Fragezeichen und Heimweh und Entbehrungen beginnt, dann hat man das Gefühl, von allen verlassen zu sein. Auf der Seemannsschule  (Moses-Fabrik) war ich aber plötzlich nicht der einzigste. Hier traf ich viele „Verlassene“. Aber die Gemeinschaft und das Wegbleiben von der häuslichen Gemeinschaft war ja ein Teil dieser „Grundausbildung“ welches die christliche Seefahrt von jedem einzelnen forderte. Heute sage ich immer „Jeder Jugendliche sollte wenigstens ein Jahr, auf sich allein gestellt, zur See fahren“. Es formt den Menschen!

 Die Seefahrtschule war toll gelegen. Ein schönes großes weißes Haus mit Blick auf die Elbe. Dort sah jeder sein zukünftigen Arbeitsplatz vorbeischwimmen. Dann wurde gesponnen und geträumt von der großen weiten Welt. Wir wurden täglich mit Theorie und Praxis gefüttert. Morgens Schiffskunde oder Navigation, nachmittags Seemännische Fertigkeiten. Dann standen wir in der Reihe vor einem längs gespannten Drahtseil und übten mit den Tampen  (Tau) Seemannsknoten oder einige auch „Verzweifelungsstegs“. Beim Spleissen ging auch die Haut langsam zu Ende, weil Hanf und Manila nun mal keine Watte ist. Es musste ja auch immer schön kräftig an den Knoten gezogen werden, so`n knirschen sollte schon zu hören sein. Aber diese ganzen Knoten sollten auch wieder schnell zu lösen sein, also Seemannsknoten eben. Genau so interessant war das Spleißen von Tau- und Drahtwerk. Tau gegen den Dreh , Draht mit den Dreh. Dabei lernte ich ,das der Draht eine Seele hat ,die ich ihm aber immer abschnitt . Mit dem Marlspieker für Draht oder dem Fitt (Tauwerk) gab es auch hier und da einige kleine Verletzungen. Weiterhin wurden auch bestimmte Befestigungs- und Laschtechniken geübt. Z.B.: Fass, Hieve Sackgut, einzelnes Brett, Werkzeug oder auch einen Verletzten, der aus einem Laderaum herausgeholt werden muss. Es gibt noch vieles mehr, und nur der richtige Knoten und die richtige Anschlagtechnik waren wichtig. Das haben wir alles begierig aufgenommen. In der heutigen Zeit, wo alles nur mit Containern gefahren wird und die Elektronik fast alles übernimmt und Laschtrupps von Land über die Ladung herfällt ist der Seemann nur noch ein „Überseetransportbegleiter“.

Das Flaggen- und Morsealphabet und das auswendig lernen der Kompassrose in allen Einteilungen mochten wir alle am „liebsten“. Reine Fleißarbeit und für einige auchPrüfungs-bedrohlich .


ein Bild

Das Flaggen setzen und dippen wurde am Bootshafen geübt und weil da auch unsere Kutter und  Dingis lagen lud uns unser Ausbilder auch gleich zu einer netten Bootsfahrt ein. Alle Mann rein und auf die Duchten verteilt und nur er hat sich zur Ruderpinne durchgedrängelt um uns „Feuer“ zu geben. Riemen  auf, Riemen zu Wasser, Riemen ausrichten, STB streichen, Bb ruuudert AN und schon haben wir uns zur Hafenausfahrt gedreht Alle Riemen auf und alle Riemen rudert an beförderte uns gänzlich in die „große weite Welt“  richtung Schulau bei ablaufend Wasser. Man das ging ja leicht und wir waren verdammt schnell. Plötzlich fiel unserem „Kapitän“ ein wieder umzukehren und wir lernten das kotzen, denn auf eimal gegen den Strom und nur noch HOL DURCH zu hören forderte alle „seemännischen“ Kräfte. Total fertig und ausgepumpt erreichten wir unseren Hafen und waren über das Riemen auf und Riemen bei total froh .Die schweren Holzkutter dümpelten wieder an ihren Leinen und uns schmeckte das Abendbrot 3 mal so gut. Aber so wurde auch die Gemeinschaft gefestigt und das war ja auch Sinn dieser Ausbildung.

Nach der erfolgreichen Prüfung waren wir geprüfte Decksjungen und konnten an Bord eingesetzt werden. Wir kannten ja alles von der Seefahrt und waren bereit zum Rost klopfen, mennigen, Farbe auf das Schiff verteilen um diese später auch immer schön zu waschen. Ich bin ja nur zur See gegangen ,damit ich kein Maler werden musste. Na gut aber mit den Jahren gab es dann auch andere Aufgaben ,sowie Wache gehen, Ladungsdienst und mit dem Ladegeschirr arbeiten. Und die Containerfahrt hat mich nur noch zum Wachgänger und Transportbegleiter ohne Liegezeiten und Romantik degradiert. Ich hatte eine Menge Stunden

und wenig Schlaf  und das „viele Geld“ konnte ich wegen Zeitmangel auch nicht mehr an Land ausgeben. Zudem wurde immer mehr ausgeflaggt und die Billiglöhner kamen an Bord.Es gab keine Perspektive mehr für mich und so entwöhnte ich mich von der Seefahrt, indem ich noch ein Jahr bei der HADAG den Fährdienst mitmachte um dann noch 1,5 Jahre auf einem Bunkerboot (Tankschiff) im Hafen und nach  Cuxhaven.pendelte. Ich merkte aber für mich ,es war vorbei und so sah ich mich auf dem Bau um ,weil der Verdienst zu der Zeit sehr gut war. Aber den Schiffsgeruch habe ich mir all die Jahre erhalten und das ist auch gut so.

 

 

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                           Als "Voll"Matrose an den Ladewinden

 

 
   
 
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